Sonderpreis "Heimat" bei der Jufinale Unterfranken 2011
Die Filmgruppe war am 29. Und 30. Oktober mit der Dokumentation „arme Kinder, reiches Land“ bei der Jufinale Unterfranken 2011 in Schweinfurt im Kino KuK vertreten und erlebte ein sehr spannendes und anregendes Filmfest, das Einblick in die junge deutsche und französische Filmszene gab. 70 Filme waren eingereicht worden, wovon 54 gezeigt wurden – ein breites Spektrum mit Trickfilmen, Spielfilmen, Dokumentationen und Musikfilmen. Wir konnten Kontakte mit jungen unterfränkischen FilmerInnen und französischen Filmgruppen aus dem Calvados knüpfen bzw. wieder aufleben lassen. Neben den Filmvorführungen und Filmgesprächen gab es am Sonntagvormittag die Möglichkeit an workshops teilzunehmen. Unsere Schülerinnen lernten beim workshop „Schminken und Maske“ sich gegenseitig täuschend echte Schnitt- und Schusswunden zu schminken. Der Höhepunkt war natürlich die Preisverleihung am Abend. Wir freuten uns sehr, dass die Jury unseren Film für einen der zehn Förderpreise ausgewählt hatte, den Sonderpreis der Jury: „Heimat“. Laudatio von Volker Hensel (Bayerischer Rundfunk) zum Sonderpreis "Heimat""Industrie und Kunst" - mit diesen Prädikaten schmückt sich unsere Gastgeberstadt Schweinfurt gerne. Klar, in der öffentlichen Wahrnehmung will jede Stadt gut da stehen, Schweinfurt macht da keine Ausnahme. Wer Kunst fördert, dem geht es gut, der hat keine Probleme, der kann sich sogar schöne Künste leisten. Doch es gibt auch die Kehrseite der Medaille. Und die wird gerne unter den Teppich gekehrt – wohlweislich überall im Lande, nicht nur in Schweinfurt. Das ist die Schattenwelt, diejenige, der auf Hartz IV angewiesenen allein erziehenden Mütter, der Langzeitarbeitslosen, der Rentner, die nach 45 Arbeitsjahren auf eine Grundsicherung angewiesen sind. Diejenigen, die in immer größerer Zahl bei den "Tafeln" und Suppenküchen Schlange stehen, die bei der Caritas oder dem Roten Kreuz in der Wäschekammer nach was anzuziehen suchen. Diejenigen, die nicht mal mehr Kraft haben "Occupy Wall Street" zu rufen. Diejenigen, für die in Zeiten, wo sich Rettungsschirme für Zocker-Banken und Verschwender-Länder auf Billionen Euro hochhebeln, keine fünf Euro für ein warmes Mittagessen vorhanden sind. Diese Kehrseite unserer Heimat zeigt die bemerkenswerte, eindringliche Dokumentation "Arme Kinder, Reiches Land" der Berufsfachschule Alfons Goppel in Schweinfurt. Sie gibt den oftmals unverschuldet Armen nicht nur eine Stimme, sie behandelt sie auch mit Respekt, nimm diese Menschen und ihre Sorge ernst. Die Schülerinnen der BFS haben sich der Kehrseite der Medaille in ihrer Heimatstadt angenommen, haben diese "Dark side of the moon" beleuchtet. Ein Problem das am Beispiel Schweinfurt freilich nur stellvertretend für die soziale Kälte in diesem Land dargestellt wird. Dass die Doku dabei vielleicht ein wenig lang geriet und etwas mehr Kürze noch mehr Würze bedeutet hätte, hat dennoch nicht verhindert, dass die Jury einstimmig den Sonderpreis "Heimat", verbunden mit 150 Euro Preisgeld der BFS Alfons Goppel für "Arme Kinder, Reiches Land" zuerkennt. | Förderpreis bei den 34. Filmtagen bayerischer Schulen in Gerbrunn
Von Januar bis August 2011 arbeitete die Filmgruppe unserer Schule an der Produktion von „arme kinder reiches land“. Der Film greift die Diskussion um „Kinderarmut in Deutschland“ auf und geht der Frage nach, wie „Armut“ in einem reichen Land aussieht. Der Kurzfilm wurde neben 27 weiteren Filmen verschiedener Schulen für das Hauptprogramm vom 14. bis zum 16. Oktober nominiert und im Rahmen des Festivalprogramms präsentiert. Nachdem das fachkundige Publikum die Schülerproduktionen angesehen hatten, erläuterten die Filmgruppen ihre Beiträge. Neben der Auszeichnung zum Landessieger bestand die Möglichkeit einen der zwölf Förderpreise zu erhalten. Meryem Hussain, Yasmin Hussain, Natascha Allard und Manuela Endres vertraten die Filmgruppe unserer Schule und konnten am Ende der Filmtage voller Stolz einen der Förderpreise entgegen nehmen. Hier die Laudatio der Jury zu „arme kinder reiches land“ vom Beruflichen Schulzentrum Alfons Goppel Schweinfurt. „Wie ist es, wenn man arm ist? Wer möchte gerne darüber reden, dass er arm und bedürftig ist? Und wie ist es, vom Staat Sozialleistungen zu empfangen? Und was ist, wenn dieses Geld nicht reicht? Und wer möchte zu diesem Thema ein Interview geben? Die Schülerinnen aus Schweinfurt bekamen auf ihre Anfragen zu Interviews nicht nur positive Bescheide. Nicht alle reden gern über Armut. Dafür gehen die Antworten, die sie erhalten, unter die Haut. Da berichtet eine junge Mutter, welche Wünsche sie ihrem Buben gerne erfüllen würde und was sie ihm gerne ersparen würde. Sie freut sich über die preisgünstigen Angebote der Schweinfurter Tafel. Manche wollen nicht erkannt werden, wenn sie vor der Kamera von ihrem Leben erzählen. Ganz offen und sachlich berichtet aber ein Mitarbeiter vom Diakonischen Werk über die Folgen der Hartz IV Gesetze, über die Bevölkerungsgruppen, die es besonders trifft und über die Vorurteile, die damit verbunden sind, wenn man Sozialleistungen in Anspruch nimmt. Aber gerade diese Zusammenstellung von ganz unterschiedlichen Aspekten gibt diesem Film über Armut in einem reichen Land die beklemmende Intensität. Eine außergewöhnliche Leistung der jungen Filmerinnen besteht darin, ihren Interviewpartnern viel Sicherheit gegeben zu haben. Daher öffnen sich diese und erlauben einen Blick in ihr Leben, der nicht unbedingt hoffnungsvoll stimmt. Der Film beginnt mit Szenen auf einem Markt, gedreht von Kindern der Partnerschule in Bolivien. Die Frage bleibt offen, wer nun wirklich arm ist!“ Text und Bild: Sabine Otter/Filmjury |