Fachbereich Agrarwirtschaft: Landwirtschaft: Schulleben

Auf der Suche nach dem Traumberuf

Landwirt:innen ist nicht nur für Hofbesitzer:innen ein interessanter Beruf

„Landwirt:innen werden. Dazu braucht man doch einen Hof!“
So denken viele junge Menschen, die sich für die Arbeit mit Tieren und Pflanzen interessieren. Das stimmt aber nicht. Immer mehr Betriebsleiter suchen händeringend gut ausgebildete Fachkräfte, weil sie die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen können. Zusätzlich gibt es viele interessante Beschäftigungsmöglichkeiten im vor- und nachgelagerten Bereich.

Ein prima Beispiel für jemanden, der die Ausbildung zum Landwirt ohne eigenen Betrieb absolviert, ist Korbinian Saar aus Stadtlauringen. Er ist aktuell im dritten Lehrjahr am Betrieb von Hubert Hauck in Gerolzhofen. Zusätzlich kommt er einmal pro Woche zu uns an das Alfons-Goppel-Berufsschulzentrum in Schweinfurt. Korbinian hat sich bewusst für die Ausbildung zum Landwirt entschieden, obwohl er nicht aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammt. Fragen zu seiner Berufswahl, was ihm an der Ausbildung besonders Spaß macht und wie es nach der Ausbildung weitergeht, hat er uns kürzlich beantwortet.

Wie bist du auf diesen Ausbildungsberuf aufmerksam geworden?

Ich habe schon als Jugendlicher immer auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nachbarortschaft mitgeholfen. Irgendwann stand dann die Entscheidung an, was ich nach dem Schulabschluss lernen möchte. Nachdem mir die Arbeit in der Landwirtschaft viel Spaß gemacht hat, kam ich zu dem Entschluss mein Hobby zum Beruf machen zu wollen.

Warum hast Du dich für den Beruf Landwirt/in entschieden?

Mir war es wichtig einen Beruf zu lernen, der mir Freude bereitet und bei dem ich jeden Tag gerne zur Arbeit gehe. Auch das Lernen fällt natürlich leichter, wenn entsprechendes Interesse da ist.

Wie hast du deinen Ausbildungsplatz gefunden?

Nach dem Berufsgrundschuljahr an der Berufsschule Alfons Goppel in Schweinfurt, habe ich das erste betriebliche Lehrjahr bei dem Betrieb Reß GbR in Sulzdorf absolviert, bei dem ich schon einige Zeit mitgeholfen habe. Bei der Betriebswahl für das zweite betriebliche Lehrjahr hat mich dann der Seniorchef unterstützt, der den Betrieb Hauck kannte und mir diesen empfohlen hat.

Was würdest Du Interessierten empfehlen, um einen Beruf besser kennenzulernen?

Ich würde auf jeden Fall empfehlen Praktika bei verschiedenen Betrieben zu machen. Wenn es möglich ist, auch regelmäßig mitarbeiten, zum Beispiel am Wochenende. Da die Arbeit in der Landwirtschaft über das Jahr gesehen sehr abwechslungsreich ist, kann man sich so am besten ein Bild von der Ausbildung machen.

Welche Eigenschaften und Neigungen sollte man aus Deiner Sicht für diesen Beruf mitbringen?

Spaß an der Arbeit mit Tieren, in der Natur aber auch mit modernster Technik. Auch eine gewisse Portion Durchhaltevermögen und Flexibilität sind gefragt. Gerade in der Ente ist eine arbeitsintensive Zeit, was sich aber über das Jahr gesehen wieder ausgleicht.

Welche Herausforderungen meisterst Du in Deinem Beruf?

Die Herausforderung liegt eigentlich darin, dass der Beruf so vielseitig ist. Das macht die Ausbildung anspruchsvoll, aber auch interessant. Die Abläufe auf einem landwirtschaftlichen Betrieb zu verstehen, zu entscheiden, wann welche Arbeit sinnvoll ist, das bringt dann irgendwann die Erfahrung.

Was macht Dir besonders Spaß in deiner Ausbildung?

Am meisten Spaß macht mir, dass nicht jeder Tag gleich ist. Es warten immer neue Herausforderungen. Genau die bereits beschriebene Vielseitigkeit finde ich gut, den Wechsel zwischen der Arbeit im Stall mit den Tieren und auf dem Feld mit dem Einsatz großer Maschinen.

Was kannst du Jugendlichen sagen, die sich für den Beruf interessieren, aber keinen eigenen Hof zuhause haben?

Wenn man Interesse am Beruf Landwirt/in hat und mit Leidenschaft den Beruf ausübt, stehen einem nach der Ausbildung alle Wege offen. Landwirte sind gesucht, auch im vor- oder nachgelagerten Bereich. Wichtig ist es aus meiner Sicht, einen Beruf zu lernen, der einem Spaß macht.

Was war Dein schönstes Erlebnis in Deiner bisherigen Ausbildungszeit?

Da fällt mir die Schlepperdemo nach Nürnberg ein. Zu sehen, wie viele Landwirte zusammenhalten und das gleiche Ziel verfolgen, war ein einprägendes Erlebnis, das mich beeindruckt hat.

Was erzählst Du Deinen Freunden über Deinen Beruf?

Vorurteile gab es durch die ländliche Prägung keine.  Dass ich auch mal mehr Zeit investiere, als andere in ihrem Ausbildungsberuf können jedoch nicht alle nachvollziehen. Aber sie sehen, dass ich den Beruf mit Leidenschaft ausübe und das ist das Wichtigste. Auch meine Eltern haben meinen Berufswunsch deshalb von Anfang an unterstützt.

Wie sind deine Pläne für die Zukunft nach dem Abschluss der Berufsausbildung?

Ich möchte nach der Berufsausbildung an die Technikerschule nach Triesdorf gehen. Davor ist ein Praxisjahr erforderlich, welches ich auf meinem ersten Lehrbetrieb verbringen werde. Aus meiner Sicht ist es schon wichtig, an die Berufsausbildung noch eine Fortbildung anzuhängen, sei es die Meisterprüfung oder eben wie in meinem Fall der Technikerabschluss. Dadurch ergeben sich neue berufliche Möglichkeiten, das Wissen wird vertieft und man lernt neue Leute kennen.

Text und Foto:  Nach einer Pressemitteilung des Amts für Landwirtschaft, bearbeitet von Herrn Roth

 

Interesse bekommen? Dann setze Dich mit einem unseren Lehrern Herr Schäfer oder Herrn Roth direkt in Verbindung.

„Nachhaltige Landwirtschaft – verantwortlicher Umgang mit Boden“

Projekt BtE (Bildung trifft Entwicklung) der L 12

„Braucht man wirklich 15.000 Liter Wasser, um 1 kg Rindfleisch zu produzieren?“, so fragte ein Schüler der Abschlussklasse Landwirtschaft L12 ungläubig, als er diese Zahl auf einem Plakat zum Globalen Lernen, das noch von unserem Escaperoom zur Agenda 2030 stammte, in unserer Schule entdeckte. Die Schülerinnen und Schüler rechneten, der Lehrer für Fachtheorie ergänzte und tatsächlich: Wenn man das gesamte Wasser in den Blick nimmt, welches vom Aufwuchs der Futtermittel bis zum fertigen Produkt in irgendeiner Weise verbraucht wird, dann ist diese Schätzung richtig. Der größte Teil fällt dabei allerdings auf die Produktion von Gras und Mais, die wichtigste Futtergrundlage von Rindern.  Sofern diese Futtermittel nicht mit Hilfe von Beregnung produziert werden, geht dieses Wasser dem natürlichen Kreislauf nicht verloren. „Wer also denkt, durch den Verzicht auf Rindfleisch nun täglich sorglos duschen zu können, irrt sich“ schlussfolgerte die Klasse.

Was aber auch klar ist. Die Produktion von Rindfleisch verbraucht erhebliche Ressourcen. „So ist z.B.  ist auch graues Wasser zu berücksichtigen, also Wasser, das z.B. zur Reinigung im Rahmen des Verarbeitungsprozess des Fleisches verbraucht wird“, ergänzte Hannah Uther, die für ein Projekt im Rahmen von Bildung trifft Entwicklung (BtE) im Januar 2022 die Klasse L 12 besuchte. Frau Uther studiert in Bayreuth Gobal Change Ecology und konnte so, neben der Sicht der klassischen Agrar- und Umweltwissenschaften, den Schülern einen zusätzlichen Blickwinkel auf die Bedeutung des nachhaltigen Wirtschaftens anbieten.

Verantwortlicher Umgang mit ihren natürlichen Ressourcen und Produktionsgrundlagen ist den angehenden Landwirtinnen und Landwirten wichtig, nicht nur im Sinne des eigenen wirtschaftlichen Überlebens, sondern auch im Sinn einer großen Verantwortung für jetzige und künftige Generationen.  Diesen Umgang lernen sie nicht nur an der Schule, sondern vor allem bei der täglichen Arbeit auf Ihren Ausbildungsbetrieben. Dieses Wissen der Schüler konnte Frau Frau Uther mit den Erfahrungen aus ihren persönlichen Studienaufenthalten im afrikanischen Malawi, dem italienischen Bologna, ihrem aktuellen Studienort, sowie den Fallstudien der Universität Bayreuth ergänzen. Für einen angeregten Austausch zwischen der Klasse, Frau Uther und den teilnehmenden Lehrkräften waren die Voraussetzungen also exzellent.

Ein achtsamer Umgang mit der Erde, den auf ihr lebenden Menschen und eine gerechte Verteilung und Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen seien ein wichtiges Ziel. 45% des weltweit produzierten Gemüses werde weggeworfen, erfuhr die Klasse von Frau Uther. Es sei wichtig, für eine effektivere Nutzung der Lebensmittel einzutreten, z.B. auch einmal eine krumme Gurke zu essen.  Ein Anliegen, dem die jungen Landwirte aus eigener Erfahrung und von Herzen zustimmen.

Weitere Fragen, die Frau Uther mit der Klasse diskutierte, waren: Wie können wir so Landwirtschaft betreiben, dass wir Ernährungssicherheit gewährleisten? Sollte man nicht die Sortenvielfalt erhalten und jeweils lokal passende  Feldfrüchte produzieren, anstatt global nur auf wenige Hundert Sorten zu vertrauen? Um diese Fragen zu beantworten, wurden verschiedene Anbaumethoden in den Blick genommen und bewertet: So wurden z.B. Ein Permakulturprojekt in Malawi und verschiedene Mischkulturen vorgestellt.

Ein weiteres Beispiel ist Kompostwirtschaft im Marktgarten in Bologna. Hier, so erklärt Frau Uther, wird ohne Umgraben (no dig) ökologisch angebaut. So wird nur wenig Zeit für Jähten benötigt und nebenher lokales und saisonales Gemüse produziert. Die dabei verwendeten Plastikfolien sahen die Schülerinnen und Schüler allerdings zu Recht kritisch.

Daneben wurde auch die Bioenergiepflanze Silphie betrachtet, die eine Alternative zum Maisanbau für Biogasanlagen ist, und als Dauerkultur das Risiko von Nitrateinwaschungen ins Grundwasser reduzieren kann. Dazu gibt es ein vielversprechendes Versuchsfeld der Universität Bayreuth, das Frau Uther auch vorstellte. Die Schülerinnen und Schüler konnten in diesem Fall jedoch auch von Erfahrungen aus ihrer Praxis berichten, die dem breiten Einsatz von Silphie entgegen stehen: Die Energieausbeute ist, und damit auch  die Gasausbeute für Biogasanlagen, um ein Drittel geringer, als die des Mais und damit liegen die Hürden für einen wirtschaftlichen Einsatz noch zu hoch.

Zum Abschluss verglich die Klasse den ökologischen Anbau mit konventioneller Landwirtschaft. Dabei wurde für ein Miteinander statt eines Gegeneinanders geworben.

Alles in allem war es eine sehr gelungen Veranstaltung. Die Schüler konnten ihr Fachwissen in einem anderen Kontext einbringen und vertiefen und die Fachschaft Religion und Agrar freuen sich, dass trotz der Corona-Pandemie endliche wieder eine Veranstaltung zu Globalem Lernen in Präsenz stattfinden konnte.

Text: Michael Roth, Renate Käser

Bilder: Renate Käser

Staatsehrenpreise für Norbert Götz

Auszeichnung für Norbert Götz, Landwirtschaftsmeister und Fachlehrer am Berufsschulzentrum Alfons Goppel

(25.10.2021) Schweinfurt/München - Jungen Menschen einen erfolgreichen Start in das Berufsleben bieten - das muss für jede Ausbildungsstätte die oberste Maxime sein. Für ihr vorbildliches Engagement für die Ausbildung zum Landwirt zeichnete Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber daher erstmals zehn ausgewählte Betriebe mit dem Staatsehrenpreis „Vorbildliche Ausbildung in der Landwirtschaft“ aus.

Die Ministerin überreichte die hohe Auszeichnung im Rahmen eines Festakts in der Residenz München. Mit ihren beispielhaften Konzepten setzten die Preisträger hohe Maßstäbe in der Ausbildung, so die Ministerin und fährt fort: Durch den Staatsehrenpreis würden nicht nur ihre besonderen Ausbildungsleistungen gewürdigt. Die Auszeichnung diene ebenfalls den Ausbildungssuchenden als wichtige Orientierungshilfe.

Auch der Betrieb von Simone und Norbert Götz, Landwirtschaftsmeister aus Aschach und Fachlehrer am Berufsschulzentrum Alfons Goppel in Schweinfurt darf sich zusammen mit unserer Schulfamilie über diese Ehre freuen. Auf dem Betrieb des Ehepaares wird seit 1988 ausgebildet. Fast genauso lange ist Norbert Götz im Rahmen der Praxisausbildung fester Bestandteil des Lehrerteams in Schweinfurt und seit mehr als 10 Jahren unterstützt er unser Kollegium auch als Fachlehrer in den Fächern Agrartechnik, Pflanzenbau und Tierhaltung.  Auf diese Weise stand er bereits hunderten von Auszubildenden bei dem erfolgreichen Start in das Berufsleben zur Seite. Norbert Götz legt sowohl in Theorie als auch Praxis großen Wert auf eine individuelle Förderung.  Die jungen Leute seien wissbegierig und motiviert. Seine Aufgabe sehe er darin, ihnen praxisnah ihren Wissensdurst zu stillen und ihnen die Kompetenzen zu vermitteln, die sie für selbstständiges Arbeiten in einem komplexen Berufsfeld benötigen. Dabei spiele es keine Rolle, ob jemand einen Betrieb führen wolle oder sich für eine der zahlreichen Berufsmöglichkeiten im vor- oder nachgelagerten Bereich entscheide; die Perspektiven seien für alle Absolventen exzellent.  Gerade deswegen legt Norbert Götz auch großen Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung. Nur so könne mal als Junglandwirt*innen die künftigen Herausforderungen meistern und den Dialog mit der immer kritischer werdenden Gesellschaft moderieren.

Derzeit absolvieren bayernweit rund 1.200 junge Menschen die Ausbildung. Fast 70 davon dürfen wir am Berufsschulzentrum Alfons Goppel betreuen.

Text: Micheal Roth
Bild: Hauke Seyfarth

Steinkauz-Projekt des Berufsgrundschuljahres Landwirtschaft

„Oh ist der süß, darf man den streicheln?“, so die Reaktion einer Schülerin der Klasse BGJ/Landwirtschaft,  als sie „Ludwig“ den Steinkauz zu Gesicht bekommt. Die Schüler lernten meinen zahmen Steinkauz aus einem ganz bestimmten Grund kennen. Ein gemeinsames Projekt zum Schutz dieser kleinen bedrohten Eule war geplant. Als Ornithologe und Falkner setze ich mich seit Jahren für den Erhalt der heimischen Tierwelt ein.

Die Idee, mit unseren angehenden Landwirten Niströhren für den Steinkauz zu bauen entstand, als ich in den Besitz eines zahmen Steinkauzes kam. Im Sinne des Artenschutzes ist „Ludwig“  in Kindergärten und Schulen im Einsatz, um Kinder und Jugendliche für die Natur zu sensibilisieren. Er sorgte bisher überall für Begeisterung, so auch bei unseren Landwirten! Mit sehr viel Fleiß und Können fertigten sie in den letzten Monaten über 30 Niströhren an. Diese brauchen die Käuze in der Natur, da alte, mit Höhlen versehene Obstbäume, selten geworden sind. Gemeinsam mit der Klasse werden nun Standorte für die Röhren gesucht.

Im Idealfall werden die Schüler die selbst gebauten Werke in den eigenen Streuobstwiesen aufhängen. Jedes Jahr beweisen die angehenden Landwirte in verschiedenen Projekten ihr Engagement für die Natur und die Umwelt. Dies hat gerade auch aufgrund der aktuellen öffentlichen Diskussion zum Thema Naturschutz und Landwirtschaft eine große Bedeutung.

Als Initiator möchte ich mich bei einigen Menschen bedanken. Zunächst bedanke ich mich bei Herrn Sagstetter für die wohlwollende Unterstützung in jeder Phase des Projektes. Weiterhin möchte ich mich bei Herrn Götz für die vielen Stunden der handwerklichen Fertigstellung bedanken. Außerdem unterstützte mich Frau Hoffmann bei der Begleitung des Projekts als Klassenleiterin. Natürlich gilt der Dank den tollen Schülern des BGJ/Landwirtschaft für ihr Engagement für den Steinkauz.
Die Natur braucht Freunde!

Text: OStR Oliver Kleider
Bilder: OStRin Katharina Hoffmann

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